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Welche Technik passt, hängt von der Fassade ab. Auf Putz und Sichtmauerwerk genügt eine niedrigmodulige Fuge auf sauberem, trockenem Untergrund. Bei einem Wärmedämmverbundsystem darf die dünne Putzschicht nicht belastet werden, dort gehören Anputzdichtleisten oder Fugendichtbänder hin.
Eine Fuge hält nur, wenn sie an beiden Flanken haftet. Die eine Flanke ist immer der Fensterrahmen, und der ist bei jedem Haus gleich. Die andere ist Ihre Fassade, und die ist es nicht.
Drei Eigenschaften des Untergrunds entscheiden: wie saugfähig er ist, wie fest er ist, und wie viel er sich bewegt. Eine Fuge, die auf Sichtmauerwerk zwanzig Jahre hält, kann auf einem Dämmputz nach zwei Jahren abreißen, ohne dass am Material oder an der Ausführung etwas falsch war.
Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Fassade ist, hilft ein Klopftest. Ein hohler, weicher Klang beim Klopfen mit dem Fingerknöchel deutet auf ein WDVS hin. Massiver Putz auf Mauerwerk klingt hart.
Der häufigste Fall und der unkomplizierteste. Putz ist fest genug, um eine Fuge zu tragen, aber saugfähig, und beides muss berücksichtigt werden.
Kratzen Sie die alte Fuge vollständig aus und prüfen Sie danach den Putz in der Leibung. Blättert er, sandet er ab oder klingt er hohl, muss die lose Schicht runter, bevor Sie dichten. Eine Fuge, die an losem Putz haftet, nimmt beim nächsten Frost den Putz mit.
Auf stark saugendem oder sandendem Putz brauchen Sie eine Grundierung, damit der Dichtstoff nicht seine Weichmacher in den Untergrund abgibt. Ohne sie wird die Fuge spröde und reißt an den Kanten auf.
Danach ist es die Standardarbeit: niedrigmodulige Fassadenfuge außen, überstreichbares Acryl innen, Hinterfüllschnur in tiefen Fugen.
Hier ist die Herausforderung nicht die Haftung, sondern die Geometrie. Ein Klinker- oder Ziegelrand ist rau und unregelmäßig, und die Fugenbreite ändert sich über die Höhe des Fensters.
Das hat eine praktische Folge: eine gleichmäßig dicke Raupe ist hier nicht möglich, und eine Fuge, die stellenweise sehr breit wird, reißt genau dort. Arbeiten Sie deshalb konsequent mit Hinterfüllschnur, damit die Fuge überall dieselbe Tiefe bekommt, auch wenn die Breite schwankt.
Entfernen Sie lose Mörtelreste und Staub gründlich, denn beides verhindert Haftung mehr als bei Putz. Ein Pinsel reicht dafür nicht, nehmen Sie eine Drahtbürste an der Mauerwerksflanke und danach einen Sauger.
Prüfen Sie zum Schluss die offenen Stossfugen unterhalb des Fensters, falls Ihr Mauerwerk welche hat. Die gehören nicht zugedichtet: sie führen Wasser aus der Wand nach außen ab.
Ein Wärmedämmverbundsystem besteht aus Dämmplatten auf der Wand und einer dünnen Putzschicht darauf. Diese Schicht ist wenige Millimeter stark und sitzt auf einem weichen Untergrund. Sie trägt keine Zugkräfte.
Das ist der springende Punkt. Eine Silikonfuge zwischen Rahmen und Putz haftet auf beiden Seiten fest. Bewegt sich das Fenster, zieht die Fuge an der Putzschicht, und die Putzschicht gibt nach, bevor die Fuge nachgibt. Das Ergebnis ist ein abgerissener Putzstreifen rund um das Fenster.
Deshalb arbeitet man bei einem WDVS nicht mit einer klassischen Fuge, sondern mit Bauteilen, die für genau diese Situation gemacht sind. Anputzdichtleisten werden vor dem Verputzen am Rahmen befestigt und nehmen die Bewegung auf. Vorkomprimierte Fugendichtbänder dehnen sich in der Fuge aus und drücken, statt zu ziehen.
Ist der Putz bereits vorhanden und Sie müssen nachträglich dichten, wird es heikel. Manche Systeme lassen sich mit einem elastischen Dichtstoff in Kombination mit einem Trennband ausführen, andere nicht. Das hängt vom konkreten WDVS ab, und hier ist ein Anruf beim Fachbetrieb günstiger als ein Versuch.
Ein Hinweis, der oft hilft: an einem WDVS zeigt sich ein Problem meist als feiner Riss rundum, nicht als sichtbar gelöste Fuge. Sehen Sie diesen Riss, ist die Bewegung bereits übertragen worden.
Holz arbeitet stärker als jeder andere Untergrund. Über ein Jahr hinweg quillt und schwindet eine Holzfassade mit der Luftfeuchte, und die Fuge muss diese Bewegung mitmachen, ohne abzureißen.
Praktisch bedeutet das: die Fuge wird breiter ausgelegt als bei Putz. Eine schmale Fuge in einem stark arbeitenden Untergrund wird prozentual stärker gedehnt und reißt früher.
Achten Sie außerdem darauf, dass die Fuge nur an zwei Flanken haftet, nicht an drei. Hinterfüllschnur ist hier keine Option, sondern Voraussetzung: ohne sie klebt die Fuge auch am Grund und reißt beim ersten größeren Feuchtewechsel.
Ist die Fassade lasiert oder gestrichen, prüfen Sie vorher, ob der Dichtstoff mit der Beschichtung verträglich ist. Manche Kombinationen führen dazu, dass die Fuge nicht haftet oder die Lasur sich verfärbt.
Schritt eins steht bewusst an erster Stelle. Alle anderen sieben sind identisch, egal welche Fassade Sie haben, aber wenn Schritt eins WDVS ergibt, gelten sie nicht.
Arbeiten Sie an einem trockenen Tag über fünf Grad und halten Sie Wasser fern, bis die Fuge durchgehärtet ist. Ein feuchter Untergrund ist der häufigste Grund dafür, dass eine sauber gearbeitete Fuge nach zwei Jahren wieder fällig ist.
Vier Fälle, in denen sich ein Anruf mehr lohnt als eine Kartusche:
Beim letzten Punkt ist die Fuge nicht das Problem. Ein Fenster, das sich so stark bewegt, dass keine Fuge hält, ist am Ende seiner Nutzungsdauer. Neue Fenster kommen mit bis zu zwölf Jahren Garantie, und bei PVC fällt der Wartungsaufwand danach weitgehend weg.
Viel Erfolg. Wenn Sie beim Auskratzen weiches Holz finden statt einer müden Fuge, ist das eine nützliche Information, bevor Sie Material kaufen.